Abwasser sorgt weiter für Zündstoff

Donnerstag, 06. November 2014

Die Abwasserentsorgung in Gimmenhausen sorgt weiter für Zündstoff. Wegen der Wasserschutzzone III, die eine Versickerung gereinigten Abwassers nicht erlaubt, soll dieses zusammen mit dem Niederschlagswasser über einen Mischkanal aus dem Gemeindeteil geleitet werden. Das geplante Regenrückhaltebecken kann dabei eventuell entfallen, allerdings wohl nur, wenn die Kleinkläranlagen mit einer Phosphatfällung ausgerüstet werden. Doch dagegen wehren sich die Gimmenhausener vehement.

Der Vorschlag von Ingenieur Armin Wolff, auf das Rückhaltebecken zu verzichten und statt dessen in das Filz einzuleiten, wird derzeit mit der Unteren Naturschutzbehörde verhandelt. Es wäre eine finanzielle Erleichterung und gut für die Natur, betonte Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler in der Gemeinderatssitzung, bei der die 20 Zuhörer Rederecht erhielten.

Das Rückhaltebecken war gefordert worden, damit bei Starkregen nicht zu viel Wasser auf einmal in die Windach gelangt und es möglicherweise flussabwärts zu Überschwemmungen kommt, erklärte Wolff. Derzeit stünden sämtliche Niederschlagseinleitungen auf dem Prüfstand, so Geschäftsstellenleiter Wolfgang Hentschke.

„Als geniale Idee“ bezeichnete auch ein Gimmenhausener die geplante Einleitung des gereinigten Abwassers ins Filz. Allerdings betonte er, ganz Gimmenhausen habe sich gegen die Phosphatfällung entschieden – zumal die etwa 200 Rinder im Ort deutlich mehr Phosphate ausschieden als die gut 60 Menschen. Sowohl Wolff als auch ein Zuhörer gingen jedoch davon aus, dass das Wasserwirtschaftsamt nicht von der Phosphatfällung abrücken werde. Die Bürgermeisterin will dazu noch einmal das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen.

Wolff hat mittlerweile den Bestand an Kanälen und Kleinkläranlagen aufgenommen und will seine Planungen noch in diesem Jahr einreichen. 2015 oder 2016 könnte dann mit dem Bau des Kanals begonnen werden. Bei dessen Finanzierung sollen die Gimmenhausener nicht schlechter gestellt werden als die Ludenhausener, so Hentschke: Die Kosten für die Kleinkläranlage und der Beitrag zum Kanalbau werde nicht höher liegen als die Beiträge, die die Ludenhausener inklusive Kläranlagenertüchtigung für ihren Kanalanschluss zahlen mussten.

Dank der deutlich höheren Zuschüsse, die sich die Gemeinde vom Staat noch aus dem Programm für den erstmaligen Bau von öffentlichen Abwasserentsorgungsanlagen sichert, seien die Baukosten vermutlich abgedeckt. Damit fielen die laufenden Nutzungsgebühren wohl sehr niedrig aus, meinte der Geschäftsstellenleiter. Die genaue Gebührenberechnung samt Satzung beschließt der Gemeinderat.

Die Gimmenhausener müssten jedoch zusätzlich die Feststoffe entsorgen lassen und eventuell Ersatz für die kurzlebigeren Kleinkläranlagen schaffen, erklärten zwei Zuhörer. Wolff empfahl, sich bei Kauf und Wartung der Anlagen zusammenzuschließen, um Kosten zu sparen.

Ein Zuhörer erinnerte daran, dass die Gimmenhausener sich 2001 zusammengefunden hatten, um als Alternative zum Kanalanschluss eine Pflanzenkläranlage oder Kleinkläranlagen vorzuschlagen. 2005 habe man gebeten, vom Kanalanschluss freigestellt zu werden, um eine Pflanzenkläranlage zu bauen, die letztlich aber wegen des zu erwartenden Schutzgebietes nicht realisiert werden kann. Die bereits fertige Kanalplanung, betonte die Bürgermeisterin, sei aufgrund der damaligen Unterschriftenliste nicht umgesetzt worden.