Bürgerstiftung für Reichling beschlossen

Mittwoch, 11. Mai 2011

Für Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler ist es eine „Investition in die Zukunft“: Mit 8:2 Stimmen beschlossen die Gemeinderäte bei ihrer jüngsten Sitzung, eine Bürgerstiftung in  Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Schongau ins Leben zu rufen. Die Gemeinde aus dem Altlandkreis Schongau bringt dazu vorerst 5 000 Euro auf, den gleichen Betrag steuert die Kreissparkasse bei.

Christine Schuster, Stiftungsbeauftragte der Kreissparkasse Schongau, erläuterte das Konzept der Bürgerstiftung im Gemeinderat. Die Sparkasse, selbst Inhaberin einer Stiftung, wolle über eine Stiftergemeinschaft Einzelpersonen wie Kommunen die Möglichkeit bieten, lediglich per Unterschrift, mit geringem Kostenaufwand und relativ niedrigem Kapital Stiftungen ins Leben zu rufen, erklärte sie.

So seien Bürgerstiftungen schon ab 10 000 Euro, Namensstiftungen ab 25 000 Euro möglich. Zustiftungen könnten ab einem Betrag von 200 Euro realisiert werden. Außerdem seien Spenden möglich, die vierteljährlich ausgeschüttet würden. Bei den Stiftungen dagegen, erläuterte Schuster, bleibt das Kapital erhalten und lediglich die erwirtschafteten Zinsen werden einmal jährlich ausgeschüttet.

Für welche gemeinnützigen Zwecke die Gelder fließen, bestimme der Stiftungsrat, der vom Gemeinderat bestellt wird. Denkbare Adressaten seien beispielsweise Jugendhilfe, Sport, Vereine, Kultur oder Gesundheit. So gebe es etwa Kommunen, in denen Pflegedienste, eine Dorfschwester oder auch eine Mittagsbetreuung für Kinder über eine Bürgerstiftung bezahlt wird, so Schuster.

Das Kapital werde sicher und in verschiedenen Laufzeiten angelegt, erklärte sie auf Nachfrage. Es zähle zum Sondervermögen der Kreissparkasse und sei deshalb auch im Fall einer ähnlichen Konstellation wie bei der Landesband nicht gefährdet.

Durch die gemeinsame Geldanlage in der Stiftungsgemeinschaft erziele man  bessere Konditionen und damit einen Zinsvorteil, meinte Schuster. Außerdem übernehmen die Kreissparkasse Schongau und ihr Partner, die Deutsche Stiftungstreuhand, die komplette Verwaltung – für 0,5 Prozent des Stiftungskapitals pro Jahr. Die Gründung der Stiftung ist für die Gemeinde kostenlos, bei Zustiftungen fallen einmalig jeweils 0,54 Prozent an.

Die Gemeinde müsse also lediglich Spenden und Zustiftungen sammeln und über den Stiftungsrat die Verteilung bestimmen. Bedarf gebe es, meinte die Stiftungsbeauftragte: Oft wünschten sich gerade ältere Menschen ohne Kinder ein sinnvolles Ziel für ihren Nachlass, ohne dass dieser durch die Erbschaftssteuer dezimiert wird. Immobilien wie Gebäude oder Wald könnten in Absprache mit dem Stiftungsrat ebenfalls gestiftet werden.

Die 5 000 Euro, die die Gemeinde in nun in die Stiftung investiert, verschwänden zwar „in der Versenkung“, meinte Dieter Rapp. Doch gebe man damit den „Startschuss“ für eine spätere Zukunft, so die Bürgermeisterin. Wie sich die Bürgerstiftung in Reichling entwickelt, zeige sich frühestens in fünf Jahren. Jedoch gebe es positive Beispiele wie Steingaden, wo die Stiftung „super läuft“.