Gimmenhausen kommt auch ans Kanalnetz

Mittwoch, 23. März 2016

Gimmenhausen soll an die Rotter Kläranlage angeschlossen werden: Der Reichlinger Gemeinderat hat jetzt ein entsprechendes Abwasserkonzept für die Ortschaft beschlossen. Die Abwasserentsorgung in Gimmenhausen beschäftigt die Gemeinde schon seit etlichen Jahren. Zuletzt waren eigentlich Kleinkläranlagen für den Ortsteil vorgesehen. Aufgrund des Wasserschutzgebietes, das künftig ganz Gimmenhausen überziehen wird, kommt diese Alternative jetzt jedoch nicht mehr in Betracht.

Stattdessen soll die Ortschaft an die Kanalisation und damit an die Kläranlage in Rott angebunden werden. Allerdings kommt nur das Schmutzwasser nach Rott: Eine Ableitung des Niederschlagswassers in die Nachbargemeinde wäre nicht wirtschaftlich. Daher soll das Niederschlagswasser in den Filz bei Gimmenhausen eingeleitet werden. „Der Filz braucht Feuchtigkeit – wir tun damit also auch der Natur etwas Gutes“, erklärte Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler dazu.

Diplom-Ingenieur Armin Wolff erklärte die technische Umsetzung des Abwasserkonzeptes, das der Gemeinderat anschließend absegnete. Demnach müssen zwei Kanäle gebaut werden – einer für Niederschlagswasser und einer für Schmutzwasser. Das Schmutzwasser wird mit Druck nach Ludenhausen transportiert, dazu soll am Ortsende eine Pumpstation errichtet werden. Die Kosten schätzt Wolff auf rund 914000 Euro, wobei die Gemeinde eine Förderung von rund 475000 Euro erwarten kann.

Die gute Nachricht dabei: Gimmenhausen mit seinen rund 55 Einwohnern beziehungsweise 18 anzuschließenden Gebäuden fällt in eine „Härtefallregelung“. Das heißt konkret: Damit relativ wenige Bürger nicht zu sehr belastet werden, gibt es höhere Zuschüsse als sonst.

Was die finanzielle Belastung der Bürger angeht, schilderte Andreas Graf von der Rechtsaufsicht des Landratsamtes den anwesenden Gimmenhausenern in der Sitzung die rechtliche Seite. Die Abwasserbeseitigung sei eine kostendeckende Einrichtung: Die Gemeinde muss die Kosten an die Bürger weiterverrechnen. Zur Schmutzwasserkanalisation teilte Graf mit: Der Anschluss stelle einen „technischen Verbund“ dar. Deshalb müssten diese Kosten auch in die Gesamtkalkulation der Gemeinde einfließen und nicht getrennt gesehen werden.

Anders bei der Oberflächenentwässerung, diese sei technisch getrennt. Hier könnte die Gemeinde selbst entscheiden, ob die Oberflächenentwässerung in Gimmenhausen in die Gesamtbeitrags- und Gebührenkalkulation der Gemeinde integriert werden soll, oder ob getrennt abgerechnet wird.

Graf wies jedoch darauf hin, dass eine gemeinsame Kalkulation „auf Dauer befriedender“ und leichter zu kalkulieren sei als eine getrennte Abrechnung für Gimmenhausen. Der Gemeinderat entschied sich für die gemeinsame Kalkulation.

Für die Oberflächenentwässerung müssen die Gimmenhausener Bürger voraussichtlich einen Beitrag von 1,66 Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche entrichten. Denselben Betrag (statt bisher 1,05 Euro) müssen künftig aber auch Häuslebauer aus Reichling oder Ludenhausen bezahlen, die neu anschließen, falls sie keine Möglichkeit zur Versickerung haben. Für die Schmutzwasserbeseitigung müssen die Gimmenhausener einen Beitrag von 25,28 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche entrichten. Das entspricht dem Betrag, den die Reichlinger und Ludenhausener bisher bezahlt haben. Die Beiträge für die jüngste Ertüchtigung der Rotter Kläranlage sind darin eingerechnet.

Wolff und Horner-Spindler erklärten, dass sich die Gemeinde im Vorfeld intensiv bemüht habe, die ursprünglich angedachte Lösung mit den Kleinkläranlagen zu verwirklichen. Das aus den Kleinkläranlagen gereinigte Abwasser und das Niederschlagswasser sollte beides in den Windachgraben eingeleitet werden. Dies sei aber aufgrund des künftigen Wasserschutzgebietes nicht möglich. Die Kleinkläranlagen hätten mit einer Phosphoreliminierung ausgerüstet werden müssen. Die Gemeinde hätte versucht, das Amt von dieser Forderung abzubringen. Doch dies sei leider ohne Erfolg gewesen. ms