Kläranlage Rott: Baubeginn im September

Montag, 19. März 2012

Voraussichtlich im September rollen di Bagger an: Die Gemeinderäte Rott und Reichling gaben in ihren jüngsten Sitzungen grünes Licht für die gesetzlich vorgeschriebene und lang geplante Ertüchtigung der Rotter Kläranlage, an die Reichling angeschlossen ist. Mit dem Bau soll die Kläranlage nicht nur auf mehrere Jahrzehnte hinaus die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, sondern auch eine klare Verbesserung für den Rottbach erzielt werden. Die rund 2,3 Millionen Euro Kosten müssen die Gemeinden auf die Bürger umlegen. In welcher Form und in wie vielen Raten das geschieht, werden die Gremien demnächst beschließen.

Seit 1990 ist die Gemeinde Reichling an die 1981 in Betrieb genommene Kläranlage in Rott angeschlossen, berichtet Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler. Rott hatte damals nach dem Wegfall der Lederfabrik Kapazitäten frei, Reichling hätte ansonsten selbst bauen müssen. 2002 führte Bürgermeister Quirin Krötz einen gemeinsamen Klärwerksausschuss ein, der beratend wirkt.

Vier Jahre später wurde die Kläranlage durch technische Verbesserungen kostenneutral auf 4 500 Einleitgleichwerte erweitert, um eine Weiterentwicklung der Gemeinden zu garantieren. Damals schon mahnte das Wasserwirtschaftsamt Weilheim den Einbau der mittlerweile vorgeschriebenen Nitrifizierung bis 2011 an.

Doch zunächst standen andere Projekte an: Mit dem Umgehungskanal wurde die Geruchsbelästigung in Rott behoben, mit der Vorschaltung eines Sandfangs in der Kläranlage der Feinrechen geschont. 2010 begann die intensive Planungsphase für die Nitrifizierung, seit gut einem halben Jahr fanden laut Horner-Spindler wiederholt gemeinsame Ratssitzungen statt. Allerdings ließ man sich Zeit, denn die Ertüchtigung sollte „hundertprozentig“ werden, damit „in den nächsten 30 Jahren“ keine weiteren Maßnahmen mehr anfallen, so Krötz

So wurden einige der sechs Plan-Varianten, die das Ingenieurbüro Wolff in enger Zusammenarbeit dem Wasserwirtschaftsamt entwickelt hatte, auch wieder verworfen. Dazu gab es Probleme mit dem Boden: Nur im Norden der Kläranlage ist dieser stabil genug, um die neuen Bauten tragen zu können.

Das Rennen machte schließlich Variante 1C, eine „Belebungsanlage im Aufstaubetrieb“. Dabei werden insgesamt neun größere und kleinere Becken  neu gebaut, darunter Schlammsilos und ein Becken für die Phosphatfällung, die demnächst wohl auch gesetzlich vorgeschrieben wird. Nachdem das Abwasser diese Stationen durchlaufen hat, nimmt es über die bestehenden Klärbecken III und IV den Weg in den Rottbach. Das große Becken I wird bepflanzt und dient künftig der Vorklärung des Regenwasserabschlags bei Hochwasser, der bislang direkt in den Bach gelangte.

Nachdem der Rottbach zu den EU-Gewässern zählt hofft Krötz durch die Verbesserung auch auf EU-Fördermittel. Ansonsten erhalten die Gemeinden lediglich 45 000 Euro „Zuschuss“ durch den Erlass der Abwasserabgabe. Krötz will sich aber um weitere Mittel bemühen.

Die verbleibenden Kosten werden entsprechend der Einleitgleichwerte (Rott 2 400, Reichling 2 100) auf die Gemeinden umgelegt – und diese wiederum müssen die Bürger zur Kasse bitten, da die Abwasserbeseitigung kostendeckend vorgeschrieben ist. Zum einen ginge das über eine Verbesserungsbeitragsatzung mit der Geschossflächenzahl als Berechnungsgrundlage, zum anderen über eine Erhöhung der Abwassergebühren. Die Betriebskosten werden sich durch die effizientere und schnellere Klärung wohl verringern, meint Krötz.