Wasser und Abwasser werden teurer

Donnerstag, 30. Juli 2015

Ab November müssen die Reichlinger Bürger für Wasser und Abwasser tiefer in die Tasche greifen. Beim Abwasser erhöhen sich die jährliche Grundgebühr von bislang 30 auf 48 Euro und die Abwassergebühr von 1,71 auf 2,20 Euro pro Kubikmeter. Beim Wasser steigt die Grundgebühr von aktuell 40 auf 72 Euro pro Jahr, die Wassergebühr von 0,85 auf 1,05 Euro pro Kubikmeter. Deutlich teurer als angenommen ist zudem die Kläranlagenertüchtigung ausgefallen. Die letzte Rate in Höhe von 1,85 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche wird jedoch erst im Juni 2016 erhoben.

Eine Erhöhung der Baukosten um konjunkturell bedingte sieben Prozent und ein unerwartet schwieriger Baugrund, der eine aufwendige Spundwandverbauung erforderlich machte – das sind die Hauptgründe dafür, dass die Kosten der Klärwerksertüchtigung Rott nun bei 3,2 statt der zunächst geschätzten 2,3 Millionen Euro liegen, informierte Bürgermeisterin Margit Horner-Spindler.

Zunächst war man von 5,40 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche ausgegangen, die die Bürger als Verbesserungsbeiträge zahlen sollten. Mit dem auf 1,2 Millionen Euro dotierten Innovationspreis, den die Kläranagenertüchtigung gewann, hätte sich der Betrag auf 2,70 Euro reduziert. Durch die Kostensteigerung sind es am Ende nun 4,25 Euro pro Quadratmeter Geschossfläche, die die Bürger zahlen, um 90 Prozent des Investitionsaufwandes zu finanzieren. 2,40 Euro davon haben sie bereits über zwei Raten bezahlt.

Ab November wird die ebenfalls einstimmig beschlossene Erhöhung der Abwassergebühren fällig. Denn etliche Reparaturen im Pumpwerk, aber auch der Kanal Riederweg ließ die Gebührenausgleichsrücklage in dem kostendeckend zu führenden Bereich schon Ende 2014 um 118 000 Euro ins Minus rutschen, so Horner-Spindler. Mit der Gebührenerhöhung komme man bis Ende 2019 wieder auf Null.

Bei der ebenfalls kostendeckend zu führenden Wasserversorgung ist Reichling derzeit mit rund 30 000 Euro im Minus. Grund dafür sind unter anderem etliche Rohrbrüche, das Wasserschutzgebiet Gimmenhausen und die Entschädigungen an die Landwirte zur Senkung der Nitratwerte. Horner-Spindler schlug deshalb eine Erhöhung auf 54 Euro Grundgebühr und 1,15 Euro Wassergebühr vor.

Walter Dirr jedoch sah dadurch die Landwirte mit ihrem hohen Wasserverbrauch überproportional benachteiligt, zumal sie die Zusatzkosten nicht umlegen könnten. Er wünschte sich eine deutliche Erhöhung der Grundgebühr auf 93 Euro und geringe Wassergebühren von 0,95 Euro, da ja auch die Fixkosten den größten Teil der Wasserkosten ausmachten. Dann aber bestehe kaum Anreiz zum Wasser sparen, meinte Annette Socher.

Am Ende beschlossen die Räte bei drei Gegenstimmen die 72 Euro Grundgebühr, mit denen man den Landwirten schon „sehr stark entgegenkomme“, so Horner-Spindler.